Sonntag, 21 April 2019

Arbeitspferde ziehen voller Anmut

 
Der Fahr- und Kutschenverein Teutoburger Wald ist mit den Kaltblütern im Arbeitseinsatz.
 

Eingespieltes Team:
Rücker Jörg Umlauf führt Pferd Jimmy über die Wiese.
Foto: Gocke
 
Der Fahr- und Kutschenverein Teutoburger Wald ist mit den Kaltblütern im Arbeitseinsatz.

Ort des Geschehens ist der Bereich Pfarrkamp/Im grünen Winkel. Freiwillige Helfer des Vereins schneiden die einsturzgefährdeten Kopfweiden zurück, die beiden Pferde helfen beim Abtransport der Äste. Mit Brustblattgeschirr und dahinter befestigtem Schwengel ausgerüstet, scheint ihnen kaum eine Last zu schwer. Seite an Seite mit ihren "Rückern" - den Männern, die ihnen mit wenigen Kommandos den Weg weisen - ziehen sie eine Ladung nach der anderen über den feuchten Untergrund.

Dass die Kaltblüter dabei sind, dient nicht etwa der Arbeitsbeschaffung. Es hat vielmehr einen ganz praktischen Hintergrund: "Wir schonen den Boden auf der empfindlichen und nassen Wiese, wenn wir mit den Tieren arbeiten", erklärt Vereinsvorsitzender Ralf Penke. Die Abdrücke, die sie mit ihren Hufeisen im Boden hinterließen, verschwänden bereits nach wenigen Tagen. Auf diese Weise werde die Pastorenwiese nicht von tiefen Furchen durchzogen. Von den breiten Spuren eines Traktors würde sich das Areal dagegen nicht so bald erholen.

Bodenschonung kommt Nina und Jimmy sicherlich nicht in den Sinn. Sie machen das, wozu der Mensch sie ursprünglich einmal auserkoren hat. "Die Kaltblüter sind reine Arbeitstiere", berichtet Penke. "Für genau solche Aufgaben wurden sie mal gezüchtet. Danach waren sie Jahrhunderte lang in die Waldarbeit eingebunden." Dass ihnen derartige Aufgaben heute immer noch förmlich im Blut liegen, beweisen Nina und Jimmy an diesem Tag mit ihrer großen Ausdauer.

Die beiden Kaltblüter ziehen das geschnittene Holz von den Kopfweiden über die Wiese an den Straßenrand. Dass sie dabei durch knietiefes Wasser stapfen müssen, erdulden sie mit stoischer Gelassenheit und Anmut. Auch Nina erledigt brav ihre Arbeit. Obwohl sie trächtig ist, trabt sie neben ihrem Rücker Rene Overkott her und spurt.


Erklingt die Anweisung "Fleißig", reagieren die Tiere sofort und ziehen los. Erst gegen Ende muss Jimmy etwas beruhigt werden, als er eine kleine Pause einfordert und kurzerhand stehen bleibt. Nach fünf Stunden Arbeit sind nicht nur die Kopfweiden in der Pastorenwiese geschnitten, sondern auch die letzten Äste auf Anhängern verstaut und bereit zum Abtransport. Ihren Hafer und ihre Decken haben sich die beiden Kaltblüter am Ende des langen Tages redlich verdient.
von Torben Gocke